Im Fol­gen­den fin­den Sie die ver­wen­de­ten Begrif­fe aus unse­rem Book­let Lie­fe­ran­ten­ma­nage­ment – Pra­xis­leit­fa­den für ISO 27001 und NIS‑2 [Buch/Booklet]

1. Stra­te­gie und Risiko-Governance

Risk Appe­ti­te (Risi­ko­be­reit­schaft): Das stra­te­gi­sche Aus­maß an Risi­ko, das eine Orga­ni­sa­ti­on bereit ist ein­zu­ge­hen, um ihre Geschäfts­zie­le zu erreichen.

Risk Tole­rance (Risi­ko­to­le­ranz): Die kon­kret quan­ti­fi­zier­te, ope­ra­ti­ve Gren­ze, bis zu der Abwei­chun­gen vom Risk Appe­ti­te im Ein­zel­fall akzep­tiert werden.

Inher­ent Risk (Brut­to­ri­si­ko): Das poten­zi­el­le Risi­ko eines Lie­fe­ran­ten, das rein auf der Natur der erbrach­ten Leis­tung basiert – bevor Sicher­heits­kon­trol­len oder risi­ko­min­dern­de Maß­nah­men greifen.

Resi­du­al Risk (Rest­ri­si­ko): Das Risi­ko, das nach der Imple­men­tie­rung aller Sicher­heits­maß­nah­men und Kon­trol­len (Risk Tre­at­ment) verbleibt.

Risk Assess­ment (Risi­ko­be­wer­tung): Der struk­tu­rier­te Pro­zess zur Iden­ti­fi­ka­ti­on, Ana­ly­se und Ein­stu­fung von Risi­ken bezüg­lich ihrer Ein­tritts­wahr­schein­lich­keit und Schadensauswirkung.

Risk Tre­at­ment (Risi­ko­be­hand­lung): Die stra­te­gi­sche Ent­schei­dung und Umset­zung von Maß­nah­men zur Risi­ko­mi­ni­mie­rung, ‑ver­mei­dung, ‑über­tra­gung (z. B. Ver­si­che­rung) oder bewuss­ten ‑akzep­tanz.

Con­cen­tra­ti­on Risk (Kon­zen­tra­ti­ons­ri­si­ko): Das kumu­lier­te Risi­ko, das durch eine kri­ti­sche Abhän­gig­keit von weni­gen Lie­fe­ran­ten, Regio­nen oder tech­no­lo­gi­schen Platt­for­men entsteht.

2. Lie­fe­ran­ten-Lebens­zy­klus (Life­cy­cle Management)

Cri­ti­cal Sup­pli­er (Kri­ti­scher Lie­fe­rant): Ein Dienst­leis­ter, des­sen Aus­fall oder Kom­pro­mit­tie­rung die Betriebs­fä­hig­keit, regu­la­to­ri­sche Com­pli­ance, Sicher­heit oder Kern­leis­tun­gen des Unter­neh­mens mas­siv gefähr­den würde.

Sin­gle Source (Ein­zel­lie­fe­rant): Die bewuss­te (oder markt­be­ding­te) Ent­schei­dung, ein Pro­dukt oder eine Dienst­leis­tung ohne red­un­dan­te Alter­na­ti­ve von nur einem ein­zi­gen Anbie­ter zu beziehen.

Sub­con­trac­tor (Unter­auf­trag­neh­mer): Drit­te Par­tei­en (Sub­un­ter­neh­mer), die von dei­nem direk­ten Lie­fe­ran­ten zur Leis­tungs­er­brin­gung ein­ge­setzt wer­den und das Sup­p­ly-Chain-Risi­ko (Tier‑2/N‑th Par­ty Risk) erhöhen.

Sup­pli­er Due Dili­gence (Lie­fe­ran­ten­prü­fung): Die risi­ko­ba­sier­te Hin­ter­grund- und Sicher­heits­prü­fung eines Anbie­ters vor Ver­trags­ab­schluss sowie in regel­mä­ßi­gen Abstän­den wäh­rend der Zusammenarbeit.

Sup­pli­er Onboar­ding (Lie­fe­ran­ten­auf­nah­me): Der struk­tu­rier­te Pro­zess zur for­ma­len Über­prü­fung, Frei­ga­be, ver­trag­li­chen Bin­dung und tech­ni­schen Inte­gra­ti­on eines neu­en Dienstleisters.

Sup­pli­er Moni­to­ring (Lie­fe­ran­ten­über­wa­chung): Die kon­ti­nu­ier­li­che, KPI- und SLA-basier­te Über­wa­chung der Leis­tung, Secu­ri­ty-Pos­tu­re und Com­pli­ance eines Lie­fe­ran­ten wäh­rend der Vertragslaufzeit.

Sup­pli­er Off­boar­ding (Lie­fe­ran­ten­be­en­di­gung): Der kon­trol­lier­te Pro­zess bei Ver­trags­en­de, der den siche­ren Ent­zug von Zugriffs­be­rech­ti­gun­gen, die voll­stän­di­ge Daten­lö­schung oder ‑rück­ga­be sowie die Berei­ni­gung von Schnitt­stel­len regelt.

Exit Stra­tegy (Aus­stiegs­stra­te­gie): Ein vor­de­fi­nier­ter Not­fall­plan, der beschreibt, wie eine Lie­fe­ran­ten­be­zie­hung ohne Betriebs­un­ter­bre­chung been­det, migriert oder durch einen alter­na­ti­ven Anbie­ter ersetzt wer­den kann.

3. Ver­trä­ge und Compliance

Ser­vice Level Agree­ment (SLA): Ver­trag­lich ver­bind­li­che Ver­ein­ba­rung über die geschul­de­te Ser­vice­qua­li­tät (z. B. Ver­füg­bar­keit in %, maxi­ma­le Reak­ti­ons- und Lösungszeiten).

Data Pro­ces­sing Agree­ment / AVV (Auf­trags­ver­ar­bei­tungs­ver­trag): Gesetz­lich zwin­gend vor­ge­schrie­be­ner Ver­trag (gemäß DSGVO), der die daten­schutz­kon­for­me Ver­ar­bei­tung per­so­nen­be­zo­ge­ner Daten durch einen Dienst­leis­ter im Auf­trag regelt.

Non-Dis­clo­sure Agree­ment (NDA / Ver­trau­lich­keits­ver­ein­ba­rung): Recht­li­che Ver­ein­ba­rung zum Schutz pro­prie­tä­rer Daten und Geschäfts­ge­heim­nis­se, die zwi­schen den Par­tei­en aus­ge­tauscht werden.

Right to Audit (Prü­fungs­recht): Die ver­trag­li­che Klau­sel, die es dem Kun­den (oder unab­hän­gi­gen Drit­ten) erlaubt, die Sicher­heits­maß­nah­men, Pro­zes­se und Infra­struk­tur des Lie­fe­ran­ten vor Ort oder remo­te zu überprüfen.

4. Cloud- und Technologie-Modelle

Cloud Ser­vice Pro­vi­der (CSP): Ein Dritt­un­ter­neh­men, das ska­lier­ba­re IT-Res­sour­cen (Infra­struk­tur, Platt­for­men oder Soft­ware) über das Netz­werk bereitstellt.

IaaS (Infra­struc­tu­re as a Ser­vice): Bereit­stel­lung von grund­le­gen­den IT-Res­sour­cen (Ser­ver, Spei­cher, Netz­werk) als Cloud-Dienst. Die Betriebs­sys­tem- und Anwen­dungs­si­cher­heit liegt meist beim Kunden.

PaaS (Plat­form as a Ser­vice): Cloud-Modell, das Ent­wick­lungs- und Lauf­zeit­um­ge­bun­gen bereit­stellt. Der Pro­vi­der sichert die Platt­form; der Kun­de ist für die eige­nen Appli­ka­tio­nen verantwortlich.

SaaS (Soft­ware as a Ser­vice): Voll­stän­dig vom Pro­vi­der betrie­be­ne und abge­si­cher­te Soft­ware­an­wen­dung, die direkt über den Brow­ser oder APIs genutzt wird.

5. Vor­falls­ma­nage­ment & Busi­ness Resilience

Inci­dent Noti­fi­ca­ti­on (Mel­dung von Vor­fäl­len): Die ver­trag­lich und regu­la­to­risch (z.B. durch NIS‑2 oder DORA) fest­ge­leg­te Pflicht des Lie­fe­ran­ten, Sicher­heits- oder Betriebs­stö­run­gen inner­halb einer defi­nier­ten Frist an den Kun­den zu melden.

Busi­ness Con­ti­nui­ty Manage­ment (BCM): Der ganz­heit­li­che Manage­ment­pro­zess zur Iden­ti­fi­ka­ti­on kri­ti­scher Geschäfts­pro­zes­se und zur Absi­che­rung der Resi­li­enz des Unter­neh­mens bei schwe­ren Kri­sen oder Lieferantenausfällen.

DRP (Dis­as­ter Reco­very Plan): Der tech­ni­sche, detail­lier­te Not­fall­plan zur schnellst­mög­li­chen Wie­der­her­stel­lung von IT-Sys­te­men, Daten und Ser­vices nach einem schwer­wie­gen­den Sys­tem­aus­fall oder Cyberangriff.

RTO (Reco­very Time Objec­ti­ve): Die maxi­mal tole­rier­ba­re Zeit­span­ne, die ein Sys­tem oder Pro­zess nach einem Aus­fall off­line sein darf, bevor ein geschäfts­schä­di­gen­der Zustand eintritt.

RPO (Reco­very Point Objec­ti­ve): Der maxi­mal tole­rier­ba­re Daten­ver­lust, aus­ge­drückt als Zeit­raum zwi­schen dem letz­ten ver­füg­ba­ren Back­up und dem Zeit­punkt des Systemausfalls.