Die REACH-Verordnung (externer Link) kümmert sich um Chemikalien, Stoffdaten, sichere Prozesse. NIS2 kümmert sich um digitale Resilienz, Meldepflichten und Lieferkettenrisiken. Zwei verschiedene Welten und trotzdem hängen sie inzwischen enger zusammen, als man glaubt.
Moderne Produktion tickt nicht mehr analog!
Chemische Anlagen, Lagertanks, Mischprozesse, Logistikströme, alles läuft über IT und OT. Und wenn die Systeme stehen, steht nicht nur der Server – sondern im Zweifel auch die Anlage. Das ist der Moment, in dem REACH-Pflichten und NIS2-Risiken sich die Hand geben, ob man will oder nicht.
Viele denken noch in Silos: Umwelt hier, IT dort, Produktion ganz woanders, dabei sitzen längst alle im selben Boot. REACH verhindert, dass etwas hochgeht. NIS2 verhindert, dass jemand die Kontrolle übernimmt und es hochgehen lässt.
Vielleicht ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, sich zu fragen: Sind wir wirklich ganzheitlich sicher? Oder haben wir nur Kästchen abgehakt?
Denn egal ob Chemie oder Cyber am Ende geht’s um Verantwortung. Für Menschen, Prozesse, Umwelt, Infrastruktur und um die Fähigkeit, Überraschungen zu überleben.
Verknüpfung der REACH Verordnung mit NIS2
In der NIS2 EU Richtlinie 2022/2555 (externer Link) wird über den Anhang II (sonstige kritische Sektoren) für den Sektor 3. Produktion, Herstellung und Handel mit chemischen Stoffen festgelegt:
Unternehmen im Sinne des Artikels 3 Nummern 9 [Anm. Hersteller] und 14 [Anm. Händler] der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates [Anm. REACH-Verordnung], die Stoffe herstellen und mit Stoffen oder Gemischen handeln, und Unternehmen, die Erzeugnisse im Sinne des Artikels 3 Nummer 3 [Anm. Erzeugnis] der genannten Verordnung aus Stoffen oder Gemischen produzieren.
Konkreter wird jedoch das NISG 2026, veröffentlicht am 23. Dezember 2025. Hier findet sich im Anhang 2 die Definition vom Sektor 3. Produktion, Herstellung und Handel mit chemischen Stoffen:
Unternehmen im Sinne der Art. 3 Z 9 und 14 der Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 18. Dezember 2006 zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe (REACH), zur Schaffung einer Europäischen Agentur für chemische Stoffe, zur Änderung der Richtlinie 1999/45/EG und zur Aufhebung der Verordnung (EWG) Nr. 793/93 des Rates, der Verordnung (EG) Nr. 1488/94 der Kommission, der Richtlinie 76/769/EWG des Rates sowie der Richtlinien 91/155/EWG, 93/67/EWG, 93/105/EG und 2000/21/EG der Kommission, ABl. L 396 vom 30.12.2006 S. 1, die Stoffe herstellen und die diese Stoffe oder Gemische im Großhandel vertreiben sowie Unternehmen, die Erzeugnisse im Sinne des Art. 3 Z 3 der genannten Verordnung aus diesen Stoffen oder Gemischen produzieren, sofern diese in die Kategorie 20 der Statistischen Systematik der Wirtschaftszweige in der Europäischen Gemeinschaft (NACE Rev. 2) fallen.
Wobei der NACE Code Abteilung 20 Herstellung von chemischen Erzeugnissen sich in folgende Branchen gliedert:
- NACE Code 20.1 Herstellung von chemischen Grundstoffen, Düngemitteln und Stickstoffverbindungen, Kunststoffen in Primärformen und synthetischem Kautschuk in Primärformen
- NACE Code 20.11 Herstellung von Industriegasen
- NACE Code 20.12 Herstellung von Farbstoffen und Pigmenten
- NACE Code 20.13 Herstellung von sonstigen anorganischen Grundstoffen und Chemikalien
- NACE Code 20.14 Herstellung von sonstigen organischen Grundstoffen und Chemikalien
- NACE Code 20.15 Herstellung von Düngemitteln und Stickstoffverbindungen
- NACE Code 20.16 Herstellung von Kunststoffen in Primärformen
- NACE Code 20.17 Herstellung von synthetischem Kautschuk in Primärformen
- NACE Code 20.2 Herstellung von Schädlingsbekämpfungs‑, Pflanzenschutz- und Desinfektionsmitteln
- NACE Code 20.20 Herstellung von Schädlingsbekämpfungs‑, Pflanzenschutz- und Desinfektionsmitteln
- NACE Code 20.3 Herstellung von Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten
- NACE Code 20.30 Herstellung von Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten
- NACE Code 20.4 Herstellung von Seifen, Wasch‑, Reinigungs- und Körperpflegemitteln sowie von Duftstoffen
- NACE Code 20.41 Herstellung von Seifen, Wasch‑, Reinigungs- und Poliermitteln
- NACE Code 20.42 Herstellung von Körperpflegemitteln und Duftstoffen
- NACE Code 20.5 Herstellung von sonstigen chemischen Erzeugnissen
- NACE Code 20.51 Herstellung von pyrotechnischen Erzeugnissen
- NACE Code 20.52 Herstellung von Klebstoffen
- NACE Code 20.53 Herstellung von etherischen Ölen
- NACE Code 20.59 Herstellung von sonstigen chemischen Erzeugnissen a. n. g.
- NACE Code 20.6 Herstellung von Chemiefasern
- NACE Code 20.60 Herstellung von Chemiefasern

Definitionen zum o.a. Auszug:
Stoff: chemisches Element und seine Verbindungen in natürlicher Form oder gewonnen durch ein Herstellungsverfahren, einschließlich der zur Wahrung seiner Stabilität notwendigen Zusatzstoffe und der durch das angewandte Verfahren bedingten Verunreinigungen, aber mit Ausnahme von Lösungsmitteln, die von dem Stoff ohne Beeinträchtigung seiner Stabilität und ohne Änderung seiner Zusammensetzung abgetrennt werden können
Hersteller: natürliche oder juristische Person mit Sitz in der Gemeinschaft, die in der Gemeinschaft einen Stoff herstellt
Händler: natürliche oder juristische Person mit Sitz in der Gemeinschaft, die einen Stoff als solchen oder in einer Zubereitung lediglich lagert und an Dritte in Verkehr bringt; darunter fallen auch Einzelhändler
Erzeugnis: Gegenstand, der bei der Herstellung eine spezifische Form, Oberfläche oder Gestalt erhält, die in größerem Maße als die chemische Zusammensetzung seine Funktion bestimmt
Vereinfacht zusammengefasst:
Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern und/oder >10 Mio. Umsatz, die chemische Stoffe herstellen, handeln oder zu Produkten verarbeiten (z.B. beschichtete Möbelplatten) sind als wichtige Einrichtung von NIS2 betroffen.
Branchen, die besonders im Kreuzfeuer der beiden Regularien stehen:
- Chemische Industrie: Wer Stoffe herstellt, mischt, importiert oder verarbeitet, fällt automatisch unter REACH. Und durch NIS2 sind Chemieanlagen jetzt auch cyberkritische Infrastrukturen.
- Pharma und Biotech: Viele Stoffe → REACH. Hochautomatisierte Labore und Anlagen → NIS2. Ein Klassiker für Doppel-Compliance.
- Automobil- und Zulieferindustrie: Lacke, Kleber, Additive, Kühlmittel → Chemie! Massive Digitalisierung der Produktion und Lieferketten → NIS2.
- Metall- und Werkstoffverarbeitung: Beschichtungen, Legierungsmittel, Öle → REACH. Digitale Steuerungen, Robotik, OT-Systeme → NIS2.
- Energie und Kraftwerke: Zwar weniger stofflastig, aber: Brennstoffe, Additive, Reinigungschemikalien → REACH-relevant und klar auch NIS2-relevant.
- Abfall- und Recyclingwirtschaft: Umgang mit gefährlichen Stoffen → REACH. NIS2 nimmt den Sektor explizit ins Boot, weil Infrastrukturkritisch.
- Lebensmittelverpackung, Kunststoff und Verarbeitung: Weichmacher, Additive, Monomere → Chemie. Digitalisierte Produktionslinien → NIS2.
- Logistik und Lager, die Chemikalien bewegen: Wer gefährliche Stoffe handhabt, ist betroffen. Wer digital gesteuerte Lager/Transporte betreibt, ist potenziell NIS2-relevant.
- Maschinen- und Anlagenbau: Oft nicht direkt REACH, aber: Maschinenhersteller mit Beschichtungen/Schmierstoffen können es trotzdem sein und durch Lieferkettenpflichten rutscht man via NIS2 trotzdem hinein
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